Informationen zum Thema: Chinesische Diätetik

 

Die Beschäftigung mit der Ernährung hat in China eine lange Tradition. Schon von frühester Zeit an war man sich sehr deutlich bewusst, welche Auswirkungen die Nahrung auf den menschlichen Körper hat und wie wichtig eine ausgewogene Ernährung für das allgemeine Wohlbefinden ist. Nahrungsmittel sind milde Therapeutika. Man bedient sich der Qi-Kraft eines Nahrungsmittels, um auf das Qi im menschlichen Organismus korrigierend einzuwirken.

In der chinesischen Diätetik werden Lebensmittel (genau wie auch die Arzneimittel) gemäß ihrer Wirkung auf den Menschen beschrieben nach Geschmacksrichtung,

Temperaturverhalten, Wirktendenz und Funktionskreisbezug.

Das eine Geschmacksrichtung auch eine Wirkung haben kann, ist uns aus dem täglichen Leben besser bekannt als im Zusammenhang mit gebräuchlichen Heilmitteln. Die Wirkung von Gewürzen wie Pfeffer, Paprika und Chili in Form von Schweißbildung und einer Erwärmung der Haut kennen wir alle gut. Diese Außenwirkung, der Öffnung der Oberfläche entspricht einer Wirkung im Funktionsbereich der Lunge.

 

Das Süße kräftigt, stabilisiert die Konstitution und stellt neue Energien zur Verfügung, kann jedoch, im Übermaß genommen, zu einer gefährlichen Überbeanspruchung führen. Denn für alle Geschmacksrichtungen gilt der Grundsatz:  in geringer Dosierung sind sie förderlich, in übermäßiger Dosierung kommt es zu einer Schädigung des jeweiligen Bereiches.

Das Temperaturverhalten gibt Aufschluss über sie energetische Dynamik eines Lebensmittels. Es zeigt an, ob ein Lebensmittel das Qi stark oder nur leicht bewegt. Im Bereich der täglichen Erfahrungen wird jeder mit Beispielen dieser Art konfrontiert. In der Weihnachtsbäckerei werden typische Zutaten wie Zimt, Anis, Cardamom oder Nelken verwendet. Alle Gewürze sind ausgesprochen warme Mittel und finden sich als Medikamente in der chinesischen Medizin wieder. Demgegenüber schätzen wir im Sommer die kühlenden Eigenschaften von Gurken und Melonen, von Pfefferminz- und von Chrysanthementee.

 

Die energetische Wirktendenz gibt an, ob ein Lebensmittel emporhebend, absenkend, an der Oberfläche oder in der Tiefe wirksam ist.

 

Der Funktionskreisbezug gibt Aufschluss darüber, in welchem Funktionskreis bzw. in welcher Leitbahn das Lebensmittel seine Wirkung entfaltet.

Ein interessantes Bild ergibt sich, wenn Nahrungsmittel durch den Kochvorgang verändert werden. Beispielsweise ist der Rettich in ungekochtem Zustand weiß und sehr Scharf. In dieser Form wirkt er aufgrund seiner Schärfe in erster Linie auf den Lungenfunktionskreislauf. Nach dem Kochvorgang wird der Rettich dunkler, gelblich und bekommt einen eher süßlichen Geschmack. In dieser Darreichungsform wirkt er  kräftigend auf den mittleren Funktionsbereich.

Diese Aussagen über die Wirkrichtung eines jeden Nahrungsmittels sind wichtige Bausteine im Gesamtgefüge der chinesischen Medizin und ermöglichen ein genaues Abstimmen auf andere Therapieverfahren.

 

Die ihnen zugrunde liegende qualitative Betrachtungsweise eines Nahrungsmittel ist neu für uns im Westen: wir betrachten die Dinge eher unter quantitative Gesichtspunkten. Das Wissen um die exakten energetischen Wirkmöglichkeiten eines Nahrungsmittels ist unabdingbare Vorraussetzungen für einen gezielten therapeutischen Einsatz. Zugleich eröffnet es ungeahnte Möglichkeiten in der prophylaktischen und kurativen Medizin. Ihre volle Wirkung kann die chinesische Diätetik jedoch nur entfalten, wenn sie ganz in den Kontext der chinesischen Medizin integriert wird.

In unsere Praxis können Sie Einzelbehandlungen in chinesische Diätetik und Koch-Workshop zu verschiedenen Symptomen und Erkrankungen erhalten.